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Wir trauern um Reinhard Grupp

(mw) Am Pfingstsamstag ist nach kurzer und schwerer Krankheit Reinhard Grupp verstorben. Der Friedberger, in vielen Ehrenämtern über Jahrzehnte tätig gewesen, wurde 69 Jahre alt.

Reinhard Grupp war Zeit seines Lebens ein Mann der klaren Worte, der sich für die Sache einsetzte und dafür auch harte Diskussionen in Kauf nahm. Seine Standpunkte vertrat er stets mit Nachdruck – dies im beruflichen wie im privaten Leben. Als Rechtsanwalt und Notar, zeitweise mit eigener Kanzlei in Bad Nauheim, setzte er auch mal die Ellenbogen ein – genauso wie bei seinen zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Wortgewandt und immer mit viel Energie ausgestattet erlebten ihn seine Mitmenschen, er war gesellig und trug im Beisammensein immer mit launigen Anekdoten zur Unterhaltung bei. Trotz seines vielfältigen Engagements in der Leichtathletik, in der katholischen Kirchengemeinde und im Karnevalsverein Schwarze Sieben lehnte er Ehrungen stets ab und rückte sein Handeln nie in den Vordergrund. Seine Markenzeichen: Grupp trug aus gesundheitlichen Gründen bei jedem Wetter Sandalen ohne Socken und war so oft wie möglich mit dem Fahrrad unterwegs, den Schlüsselbund dabei stets am Lanyard um den Hals baumelnd.

Insbesondere in der Leichtathletik setzte er sich in ehrenamtlichen Funktionen ein. Bereits mit 31 Jahren wurde er Vorsitzender des TSV Friedberg-Fauerbach. In seine achtjährige Amtszeit zwischen 1983 und 1991 fällt das ausgiebig gefeierte 100-jährige Bestehen, der Ausbau der vereinseigenen Halle mit einem in Eigenregie errichteten Kraftraum und die erste Fastnachtssitzung „seines“ Karnevalsvereins Schwarze Sieben. Im Leichtathletik-Kreis war er von 1981 bis 2003 Zweiter Vorsitzender, ehe er zehn Jahre an der Spitze stand und 2013 zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Die heutige Vorsitzende Karin Scheunemann sagt: „Reinhard hat sich immer beim Verband und in der Politik für die Interessen der kleinen Vereine und des Leichtathletik-Kreises eingesetzt. Er war ein ehrlicher Kämpfer für die Basis. Wir verlieren mit ihm eine prägende Persönlichkeit.“ Beim Hessischen Leichtathletik-Verband war er von 1993 bis 1998 Rechtswart. Auch in den vergangenen Jahren blieb er der Leichtathletik immer treu, las sich Sitzungsprotokolle durch, tat seine Meinung kund und besuchte die Veranstaltungen. Beim TSV Friedberg-Fauerbach lernte er auch seine spätere Frau Anita (geborene Moder) kennen, das Ehepaar hat zwei erwachsene Kinder. Aktiv trat Grupp in der Leichtathletik weniger in Erscheinung, Wettkämpfe bestritt er nur selten. Der langjährige Weggefährte Volker Weber erinnert sich an eine Hessische Seniorenmeisterschaft, in der Grupp als Staffelläufer einsprang. „Reinhard kam auf den letzten Drücker. Aber wir haben gewonnen“, schmunzelt er heute über die rund 30 Jahre alte Anekdote.

Beruflich wirkte Grupp nicht nur in Bad Nauheim und Friedberg, sondern auch im Ausland. Er arbeitete unter anderem als Prozessbeobachter in Kambotscha und leistete bei einigen mehrmonatigen Aufenthalten wertvolle Entwicklungshilfe für das Justizwesen. Nach Asien verschlug es ihn später auch privat gerne, mit seiner Frau weilte er zuletzt ein halbes Jahr in Vietnam. Die Aufenthaltsdauer hatte sich coronabedingt zwangsläufig verlängert. Die Zeit dort genossen beide sehr – noch im Unwissen, dass es die letzte gemeinsame große Reise sein sollte.



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